Nachobligatorische Bildung

Die Kantone sind verpflichtet, Jugendliche mit Behinderung bis zum Abschluss der obligatorischen Schulzeit und längstens bis zum 20. Altersjahr, sonderpädagogisch zu unterstützen und soweit als möglich integrativ zu schulen. Während der Schulzeit werden die Jugendlichen bei der Berufswahl und der Lehrstellensuche von den Lehrpersonen begleitet. Zeichnet sich ab, dass eine Lehrstelle in der freien Wirtschaft ohne weitere Unterstützung möglich ist, ist die öffentliche Berufsberatung zuständig. Wenn eine zusätzliche Unterstützung aufgrund der Behinderung notwendig ist, dann wird die IV-Berufsberatung Anlaufstelle.

In der Schweiz werden folgende berufliche Grundbildungen angeboten:

  • Berufliche Grundbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis (EFZ): reguläre Berufslehre, dauert 3-4 Jahre, BBT-anerkannt; Abschluss: Eidg. Fähigkeitszeugnis.
  • Berufliche Grundbildung mit Berufsattest (EBA): ehemalige Anlehre, dauert 2 Jahre, vom BBT-anerkannt; Abschluss: Eidg. Berufsattest.
  • IV-Anlehre: von der IV finanzierte Anlehre, dauert maximal 2 Jahre, von der IV anerkannt, keine offizielle Anerkennung.
  • Die praktische Ausbildung (PrA) (INSOS): eine Form der IV-Anlehre, dauert 2 Jahre, keine offizielle Anerkennung; Abschluss: INSOS-Berufsattest.

Für die erste Berufsausbildung oder eine allgemeinbildende Ausbildung auf der Sekundarstufe II der Jugendlichen mit Behinderungen ist der Bund zuständig (siehe gesetzliche Grundlagen). Um die Leistungen der IV in Anspruch nehmen zu können, muss man bei der IV-Stelle des Wohnsitzkantons angemeldet sein. Zugelassen zu dieser Ausbildung sind ferner nur Personen, die nach der Lehre einen minimalen Lohn von Fr. 2.55 verdienen können.

Der Übergang von der obligatorischen Schulzeit zur Sekundarstufe II (Berufsbildung, Mittelschulen) ist eine der kritischen Phasen des Bildungswesens. Deshalb sind Bestrebungen auf nationaler Ebene in Gang, die bekannten Hürden zu beseitigen. Unter anderem besteht ein Leitfaden (PDF) zur sog. „Individuellen Begleitung von Lernenden in der beruflichen Grundbildung“ (FIB), welche die Lernenden in den Berufsschulen im Lernen unterstützen und begleiten soll. Die Petition „Berufsbildung für alle – auch für Jugendliche mit Behinderung“ hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass die bestehenden Hürden nicht noch verschärft werden.

Weitere Hinweise:

  • Forschung im Bereich des erschwerten Übergangs für Jugendliche mit Behinderung betreibt schon seit einigen Jahren die Hochschule für Heilpädagogik in Zürich mit einem eigenen Forschungsschwerpunkt.
  • Das Konzept des supported employment stellt – so das Positionspapier (PDF) von INSOS – eine weitere Möglichkeit dar, Jugendliche auch nach ihrer beruflichen Erstausbildung an ihrem Arbeitsplatz weiterhin zu begleiten. Informationen stellt dazu auch der Verein supported employment schweiz auf ihrer Web-Plattform zur Verfügung.
  • Informationen zur Berufsbildung für Menschen mit besonderem Bildungsbedarf sind auch auf der Website des Schweizer Zentrums für Heilpädagogik SZH abgelegt.
  • Compasso ist ein Webportal zur beruflichen Eingliederung für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber.