Definition

Traditionen, gewachsene Strukturen und damit verbundene Vorstellungen von Integration haben zur Entwicklung unterschiedlicher Begriffe rund um die integrative Schulung geführt. In verschiedene Positionspapieren können diese Vorstellungen nachgelesen werden: z.B. von insieme Schweiz, der Dachorganisation der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen Behinderung für Eltern, Lehrpersonen oder Schulbehörden; vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH zur Integration der Sonderpädagogik in die Regelschulen (PDF), vom DLV, dem Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband (PDF), von integras, dem Fachverband Sozial- und Heilpädagogik (PDF) oder vom VPOD, dem  Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (PDF).
Die wichtigsten Begriffe für dieses Webportal werden im Folgenden definiert. Schweizweit kann auf das Glossar der Erziehungsdirektoren-Konferenz zurückgegriffen werden (PDF), welches zum sog. „Sonderpädagogik-Konkordat“ (PDF) gehört (siehe auch gesetzliche Grundlagen). In der Folge werden daraus zitierte Stellen mit „EDK-Terminologie“ gekennzeichnet.

Integration/Inklusion: Seit einiger Zeit taucht neben dem Begriff der Integration auch der Begriff der Inklusion auf. Nicht immer ist klar, was darunter verstanden wird und wie sich die beiden Begriffe gegeneinander abgrenzen.
Auf dieser Webplattform wird unter dem Begriff Integration die möglichst weitgehende gemeinsame und wohnortnahe Schulung von Kindern und Jugendlichen mit und ohne besonderen Bildungsbedarf in der Regelschule verstanden. Dazu werden entsprechende pädagogische und sonderpädagogische Angebote und Ressourcen innerhalb der Regelschule bereitgestellt.
Inklusion geht einen Schritt weiter. Inklusion bezeichnet die Vision einer gemeinsamen Schule für alle Kinder und Jugendlichen. Der gemeinsame Unterricht in heterogenen Klassen ist Selbstverständlichkeit. Die Lehrpersonen gestalten gemeinsam mit ihren vielfältigen Kompetenzen anregende und an die Lernvoraussetzungen der Kinder angepasste Lernumfelder und kompetenzorientierten Unterricht. Eine inklusive Schule nimmt alle Lernenden ihres Einzugsgebietes – unabhängig ihrer körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Entwicklung; unabhängig ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihres religiösen Hintergrunds oder ihrer familiären Situation – in ihren Unterricht auf.

Integrative Schulung: Voll- oder teilzeitliche Integration von Kindern oder Jugendlichen mit besonderem Bildungsbedarf in einer Klasse der Regelschule durch die Nutzung der sonderpädagogischen Massnahmen.
Eine wichtige begriffliche Unterscheidung, welche in den Kantonen für die Angebote schulischer Integration verwendet werden, ist diejenige zwischen integrativer Förderung und integrativer Sonderschulung.
In der integrativen Förderung werden Kinder mit sog. Schulschwierigkeiten (im Lern- und Verhaltensbereich), welche früher eine Klein- oder Sonderklasse besucht haben, integrativ in Regelklassen von qualifiziertem Personal betreut. Auf dieser Website stellen wir keine Informationen zu Angeboten integrativer Förderung bereit.
In der integrativen Sonderschulung lernen Kinder mit und ohne Behinderungen einzeln oder in Gruppen in Regelklassen. Sie werden von einer zusätzlichen Fachperson unterstützt und in der Integration begleitet. Eine Sonderschule in der Region garantiert die fachliche Unterstützung (Fachpersonal, Know-how etc.). Im Rahmen der integrativen Sonderschulung sind auch therapeutische Angebote vorgesehen (z.B. Logopädie), die aufgrund der Indikation im Einzelsetting stattfinden können. Die integrative Sonderschulung wird in der EDK-Terminologie unter dem Begriff „verstärkte Massnahmen“ geführt.

Besonderer Bildungsbedarf: Kinder mit sog. Schulschwierigkeiten (im Lern- und Verhaltensbereich) sowie mit Behinderungen können besonderen Bildungsbedarf aufweisen. Dieser wird mittels Diagnostik und Abklärung von den jeweils zuständigen Stellen ermittelt. Sie erhalten somit Zugang zu sonderpädagogischen Massnahmen.

Sonderpädagogische Massnahmen: In allen Kantonen der Schweiz werden verschiedene Massnahmen zur Unterstützung der Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf angeboten. Darunter fallen:

  • Beratung und Unterstützung, heilpädagogische Früherziehung, Logopädie und Psychomotorik,
  • sonderpädagogische Massnahmen in einer Regelschule oder in einer Sonderschule sowie
  • Betreuung in Tagesstrukturen oder stationäre Unterbringung in einer sonderpädagogischen Einrichtung (z.B. Heilpädagogische Schule, Heilpädagogisches Kompetenzzentrum etc.).

Die Angebote unter den ersten beiden Spiegelstrichen werden integrativ in Regelschulen angeboten (ausser der heilpädagogischen Früherziehung, welche im Vorschulbereich bis längstens in den Kindergarten hinein wirkt).
„Die Kantone sorgen für die Organisation notwendiger Transporte und übernehmen deren Kosten für Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Behinderung den Weg zwischen Wohnort, Schule und/oder Therapiestelle nicht selbstständig bewältigen können.“ (Sonderpädagogik-Konkordat, Art. 4 Abs. 2)

Sonder-/Heilpädagogik: Auf dieser Website werden die Begriffe Sonderpädagogik und Heilpädagogik gleichwertig und synonym verwendet. Die „Sonderpädagogik … ist bestrebt, den Menschen mit besonderem Bildungsbedarf jeglichen Alters, jeglicher Art und jeglichen Grades mit adäquat ausgebildetem Fachpersonal eine bedürfnisgerechte und individuumsorientierte Bildung und Erziehung sicherzustellen. Ziele der Bildung und Erziehung sind eine optimale Persönlichkeitsentwicklung, Autonomie sowie soziale Integration“ (EDK-Terminologie) und Teilhabe an der Gesellschaft.

Behinderung: Behinderung bezeichnet eine „voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung“, die es einer Person „erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewegen, sich aus- und fortzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben.“ (Behindertengleichstellungsgesetz, Art. 2)