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Die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen ist Teil des öffentlichen Bildungsauftrags. Der Weg zur schulischen Integration läuft deshalb an sich über die regulären Instanzen (Regelschule am Wohnort). Das Schulsystem in der Schweiz sieht für die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen verschiedene Angebote vor. Grundsätzlich kann unterschieden werden zwischen der Schulung in einer Regel- oder in einer Sonderschule. Die integrative Schulung kann als Einzelintegration oder in Kleingruppen in sog. „Integrationsklassen“ erfolgen. Das Modell der Integrationsklassen kennen bspw. die Kantone BS, BL oder ZH. Die separative Schulung geschieht in Sonderschulen, die oft auch als kantonsübergreifende Zentren geführt werden. Sonderschulen haben sich zum Teil auch auf bestimmte Behinderungsarten spezialisiert.

Das Schulsystem in der Schweiz wird weitgehend von den Kantonen verantwortet. Entsprechend sehen die konkreten sonderpädagogischen Massnahmen und die Umsetzung der schulischen Integration je nach Kanton ganz anders aus. Diese Informationen erhalten Sie durch Wahl Ihres Kantons auf der rechten Seite (Blogroll).

Was sagt die Wissenschaft zur schulischen Integration? Empirisch wurde in den letzten Jahrzehnten wiederholt belegt, dass sich die Erwartungen in die erhoffte Förderung von Kindern vorwiegend mit Lernbehinderungen in speziellen Klassen nicht erfüllen. Begleitet wird diese Kritik mit normativen Einwänden: Ist die Aussonderung bestimmter Kinder in spezielle Schulen oder Klassen generell zu rechfertigen? Und haben behinderte Kinder nicht das Recht gemeinsam mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft zur Schule zu gehen und dort individuell gefördert zu werden (siehe gesetzliche Grundlagen)? Studien zur schulischen Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen kommen – international gesehen – zu einer eher positiven Bilanz. Für die Schweiz bestätigt Professor Gérard Bless, Forscher im sog. „IntSep-Forschungsprogramm“ (IntegrationSeparation) der Universität Fribourg: „Auch wenn nicht in allen Bereichen die Integration klare Vorteile aufweist, so überwiegen doch die positiven Punkte. Aus diesem Grund ist die Integration von Kindern mit Behinderungen – aus pädagogischer Perspektive – der Separation “ vorzuziehen (2004, in „Integration: Anspruch und Wirklichkeit“ herausgegeben von Kummer Wyss & Walther-Müller). Trotzdem gilt es natürlich, die Integration eines Kindes mit Behinderung in die Regelschule gut vorzubereiten und den Verlauf gut zu beobachten – von allen Beteiligten!

In zahlreichen Publikationen und auf unzähligen Webseiten lassen sich Erfahrungen, Informationen und Ideen zur schulischen Integration in der Schweiz nachlesen, die dabei helfen, die schulische Integration zu einem gelingenden Unterfangen zu machen. Eine Auswahl:

  • Auf der Website der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK können die relevanten Informationen zur Sonderpädagogik im Schweizer Bildungssystem eingesehen werden.
  • Egalité handicap hat im Themendossier Schule Hintergrundinformationen (Fakten, Rechtsgrundlagen, Fälle, Literatur etc.) aufbereitet.
  • Auf dem Schweizer Bildungsserver Educa.sonderpädagogik werden viele Informationen, Hilfestellungen und schulbezogene Anregungen v.a. für Lehrpersonen und Schulleitungen zur Verfügung gestellt.
  • Der Schweizerische Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD begründet in einem Thesenpapier Rahmenbedingungen für integrative Schulen.
  • Das Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik SZH stellt auf seiner Website Informationen zur integrativen (Sonder)Schulung zur Verfügung.
  • Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH hat ein Positionspapier zur Integration der Sonderpädagogik in die Regelschulen ausgearbeitet und ruft gemeinsam mit den Verbänden aus Deutschland und Österreich die Politik zu einem Ja für Inklusion auf (zum Download).
  • Das Netzwerk Integrative Schulungsformen hat während seinem Bestehen bis 2013 mit den Rahmenbedingungen für integrative Schulungsformen (PDF) oder für eine Schule für alle (PDF) grundlegende Umsetzungshilfen geboten, die weitgehend in der Schweizer Bildungslandschaft aufgenommen wurden.
  • Die Elternvereinigung insieme Schweiz stellt Überlegungen an, wie sich Integrationsbarrieren überwinden lassen.
  • Pro Infirmis hat Hintergrundinformationen zu verschiedenen Themen zusammengestellt, ebenfalls zur schulischen Integration.
  • Für die Zentralschweiz besteht das sog. Rahmenkonzept zur sonderpädagogischen Förderung, welches ein „Primat“ für die integrierte Schulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung definiert.
  • Die Stiftung myHandicap (Forum, Infos und Adressen für Menschen mit Behinderungen) hat einen informativen Artikel zur schulischen Integration publiziert.
  • Die österreichische Webseite bidok liefert zahlreiche Informationen zur schulischen Inklusion – unter anderem eine Internet-Bibliothek mit über 1’000 frei zugänglichen Texten.